Stichwahlen in Georgia: enges Rennen um die Mehrheit im US-Senat

In Georgia zeichnen sich bei den Senatsstichwahlen am 5. Januar zwei Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Die beiden Stichwahlen haben schon jetzt mehrere Rekorde gebrochen.

Die demokratischen Kandidaten Raphael Warnock und Jon Ossoff (v.l.n.r.) wollen bei der Stichwahl die republikanischen Amtsinhaber:innen David Perdue (3.v.l.) und Kelly Loeffler (4.v.l.) besiegen.
Die demokratischen Kandidaten Raphael Warnock und Jon Ossoff (v.l.n.r.) wollen bei der Stichwahl die republikanischen Amtsinhaber:innen David Perdue (3.v.l.) und Kelly Loeffler (4.v.l.) besiegen.

Raphael Warnock und Jon Ossoff oder Kelly Loeffler und David Perdue: Bei den Stichwahlen am 5. Januar 2021 im Südstaat Georgia geht es für Republikaner und Demokraten um alles. Erst wenn feststeht, wer die beiden Senatssitze des Staates besetzt, ist auch klar, ob die Demokraten „durchregieren“ können oder auf Kompromisse mit den Republikanern angewiesen sind.

Auch wenn es für Joe Biden wesentlich leichter wäre, seine Agenda mit einer demokratischen Mehrheit im Kongress umzusetzen, sind Warnock und Ossoff doch in einer klaren Underdog-Rolle. Sie treten nicht nur gegen zwei Amtsinhaber:innen an – eine traditionell schwierigere Ausgangsposition. Auch die grundsätzlich geringere Wahlbeteiligung bei Stichwahlen half in früheren Jahren eher den Republikanern, deren Wähler:innen eher noch ein zweites Mal an die Wahlurne gehen, als die der Demokraten.

Rekord-Wahlbeteiligung

Ein möglicher Hoffnungsschimmer zeichnet sich für die Demokraten jedoch gerade bei der Wahlbeteiligung ab. Diese hat nämlich in den vergangenen Wochen ein Rekordniveau erreicht. 3.0032.066 Wähler:innen haben schon vor Öffnung der Wahllokale ihre Stimme persönlich oder per Briefwahl abgegeben. Das entspricht fast 40 Prozent aller registrierten Wähler:innen im „Peach State“. So eine hohe Wahlbeteiligung hat es bei einer Stichwahl in Georgia noch nicht gegeben.

Auch wenn in Georgia nicht ausgewiesen wird, welcher Partei die Wähler:innen angehören, setzen demokratische Wähler:innen eher auf die vorzeitige Stimmabgabe, als Republikaner. Zudem ist die Wahlbeteiligung unter den 18- bis 44-Jährigen gestiegen, während der Anteil der Wähler:innen, zwischen 45 und 65 Jahren abgenommen hat. All das deutet aktuell auf eine bessere Ausgangslage für die Demokraten hin.

Außerdem haben bereits 117.927 Wähler:innen abgestimmt, die bei der Wahl am 3. November 2020 nicht teilgenommen hatten. Entscheidend wird also sein, wie viele Wähler:innen am 5. Januar noch ins Wahllokal gehen und dort ihre Stimme abgeben.

Auch in den Umfragen deutet alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin. Zwar liegen die Demokraten Jon Ossoff und Raphael Warnock hier aktuell eher vor Perdue und Loeffler, allerdings ist der Vorsprung meist niedriger als die Fehlergrenze. Es zeichnet sich also auch hier ein knappes Rennen ab.

Kostspieliger Wahlkampf

Was in Georgia auf dem Spiel steht, lässt sich auch an den hohen Spendensummen erkennen, die die Kampagnen in den vergangenen Wochen erhalten haben. Die Demokraten Warnock und Ossoff konnten im vierten Quartal 2020 jeweils mehr als 100 Millionen US-Dollar einnehmen – ein besserer Wert als jede Senatskampagne zuvor. Kelly Loeffler und David Perdue wiederum kamen auf 64 und 68,1 Millionen US-Dollar.

Beide Seiten erhielten zudem noch Unterstützung von finanzstarken Organisationen, den sogenannten SuperPACs. Hier profitieren jedoch ganz klar die beiden republikanischen Kandidat:innen. Ihre SuperPACs hatten bis Mitte Dezember bereits 86 Millionen US-Dollar für Werbeanzeigen ausgegeben – ein deutlicher Vorsprung auf die 30 Millionen US-Dollar des demokratischen Lagers. Insgesamt belaufen sich die Ausgaben alleine für die Stichwahlen zum jetzigen Zeitpunkt bereits auf mehr als 500 Millionen US-Dollar.

Ob Ossoff und Warnock das Kunststück gelingt, nach Joe Bidens Sieg im traditionell republikanisch geprägten Südstaat auch die beiden Senatssitze für die Demokraten zu gewinnen, wird sich am Morgen des 6. Januars zeigen.

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