Larry Elder: ungewöhnlicher Spitzenreiter der Rückrufwahl in Kalifornien

US-Wahl 2021

Für den Fall, dass die kalifornischen Wähler:innen Gouverneur Gavin Newsom am 14. September des Amtes entheben, hat ausgerechnet ein konservativer Republikaner beste Chancen, ihn zu ersetzen: Larry Elder.

Larry Elder beim FreedomFest 2016 in Las Vegas, Nevada.
Larry Elder beim FreedomFest 2016 in Las Vegas, Nevada.

Larry Elder ist das komplette Gegenteil von dem, wie man sich eine Spitzenreiter im Rennen um den Gouverneursposten in Kalifornien vorstellt: Als schwarzer Republikaner, der nichts von einer Maskenpflicht zur Pandemiebekämpfung hält, gegen jegliche Form eines Mindestlohns ist und sich selbst als libertär bezeichnet, passt Elder so gar nicht ins Bild der demokratischen Hochburg.

Und dennoch steht der 69-jährige Radio-Moderator an der Spitze möglicher Ersatzkandidaten für Gouverneur Gavin Newsom. Obwohl er bei einer regulären Wahl gegen Newsom wohl keine Chance hätte, ist Elder bestens für den Prozess der Rückrufwahl des kalifornischen Gouverneurs aufgestellt. Sollten die Wähler:innen des größten US-Bundesstaates Newsom des Amtes entheben, reicht Elder nämlich eine relative Mehrheit für den Sieg. Seine 1994 begonnene Radiokarriere verschafft ihm dafür einen gehörigen Bekanntheitsvorsprung gegenüber seinen zahlreichen Konkurrent:innen.

Das zeigen auch die Umfragen: Seitdem Elder Mitte Juli seine Kandidatur bekannt gegeben hat, steht er nahezu ununterbrochen an der Spitze des Feldes. Die meisten Umfragen sehen ihn zwar nur bei rund einem Drittel der Stimmen, aber durch die noch wesentlich schlechteren Ergebnisse seiner Konkurrent:innen könnte das für einen Sieg reichen.

Bisher scheint es auch so, als könne Elder nichts etwas anhaben. Weder sein Fernbleiben von allen TV-Debatten, noch die von ihm bestrittenen Anschuldigungen seiner ehemaligen Verlobten Alexandra Dating, Elder habe während eines Streits eine Pistole aus seinem Nachttisch geholt, scheinen seine Unterstützer:innen zu beeinflussen.

Elder dürfte auch davon profitieren, dass viele demokratische Wähler:innen dem Aufruf der Demokratischen Partei folgen und die Frage nach Newsoms möglicher Nachfolge auf dem Wahlzettel ignorieren – einer kürzlichen Umfrage von Data for Progress zufolge betrifft das 29 Prozent der Wähler:innen. Anders ist auch kaum zu erklären, dass Elder Kalifornien in wenigen Tagen regieren könnte – trotz seiner konservativen Positionen, zu denen auch die Kürzung des Sozialstaats um 80 Prozent sowie die Abschaffung von Unternehmenssteuern gehört. 2020 gewann Joe Biden den Staat noch mit mehr als 60 Prozent der Stimmen gegen Donald Trump.

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