Der Zeitplan der US-Wahl 2020

Nach den Nominierungsparteitagen im August geht die US-Wahl 2020 in die Vollen: Die Kandidaten bereiten sich auf die ersten TV-Debatten vor und in den ersten Staaten beginnt die vorzeitige Stimmabgabe. Mit weniger als 90 Tagen bis zum Wahltag am 3. November bleibt den Kandidaten nur noch wenig Zeit, unentschlossene Wähler:innen von sich zu überzeugen.

Am 3. November findet die US-Wahl statt. Alle Ergebnisse hier live nach Schließung der Wahllokale.

TV-Debatten

Donald Trump und Joe Biden werden am 29. September bei der TV-Debatte in Cleveland, Ohio zum ersten Mal direkt aufeinandertreffen. Nach einer Debatte der beiden Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence und Kamala Harris folgen zwei weitere Debatten der beiden Präsidentschaftskandidaten.

Insbesondere die erste Debatte könnte noch einmal ein Wendepunkt im Präsidentschaftswahlkampf sein. Die späteren Debatten hingegen liegen sehr nah am Wahltermin. Zu diesem Zeitpunkt könnten bereits zahlreiche Wähler:innen ihre Stimmen abgegeben haben.

Vorzeitige Stimmabgabe

In zahlreiche Staaten können Wähler:innen bereits mehrere Wochen vor dem eigentlichen Wahltermin ihre Stimme abgeben. Den Anfang machen Minnesota und South Dakota am 18. September – also 46 Tage vor der eigentlichen Wahl. Um sich vor COVID-19 zu schützen, könnten viele Wähler ihre Stimme bereits frühzeitig abgeben, entweder persönlich oder per Briefwahl.

Es wird erwartet, dass wesentlich mehr Wähler:innen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden als in früheren Jahren. Normalerweise spitzt sich Ende Oktober der Wahlkampf noch einmal zu. Dann könnte es allerdings für eine Aufholjagd zu spät sein, falls sich zu viele Wähler:innen bereits festgelegt haben.

Grafik für mehr Informationen anklicken.

Der Wahltag

Lange Warteschlangen vor den Wahllokalen prägen seit Jahren das Bild des US-Wahltags. Auch dieses Jahr müssen sich Wähler:innen in den USA darauf einstellen, auf ihre Stimmabgabe warten zu müssen – obwohl die Zahl derjenigen, die erst am 3. November wählen gehen, aufgrund der Corona-Pandemie geringer ausfallen wird als bei früheren Präsidentschaftswahlen.

Das hängt damit zusammen, dass dieses Jahr weit weniger Wahllokale zur Verfügung stehen werden. Zudem herrscht ein akuter Mangel an Wahlhelfer:innen, die häufig selbst zur Risikogruppe gehören und deswegen dieses Wahljahr aussetzen. So fehlen Maryland beispielsweise 14.000 Wahlhelfer:innen.

Da die Wahl wie immer an einem Dienstag stattfindet, werden viele Berufstätige vor Arbeitsbeginn oder nach Feierabend zu den Wahllokalen fahren. So entstehen insbesondere kurz vor Schließung der Wahllokale häufig lange Schlangen.

Die USA erstreckt sich über mehrere Zeitzonen und entsprechend ist die Uhrzeit, zu der die Wahllokale schließen in jedem Staat anders. Die ersten Wahllokale schließen etwa in Indiana und Kentucky bereits um Mitternacht deutscher Zeit. Eine Stunde später folgen dann zahlreiche Staaten an der Ostküste. Um 6 Uhr morgens wird auch mit Alaska der letzte Staat die Wahl beendet haben.

Grafik für mehr Informationen anklicken.

Wann steht der Wahlsieger fest?

Zu welcher Uhrzeit mit der Bekanntgabe des Wahlsiegers zu rechnen ist, hängt in diesem Jahr maßgeblich davon ab, wie groß der Vorsprung des Siegers ist und wieviele seiner Anhänger per Briefwahl abgestimmt haben.

In einem normalen Wahljahr wäre in den frühen Morgenstunden deutscher Zeit am Tag nach der Wahl ein vorzeitigen Ergebnis zu erwarten. So gab die Associated Press vor vier Jahren den Sieger der Präsidentschaftswahl um 8:29 bekannt – 2012 sogar schon drei Stunden früher, um 5:38. Dieses Jahr könnte es aber aufgrund des sehr hohen Briefwahlaufkommens wesentlich länger dauern.

Das liegt daran, dass die Stimmen vor der Auszählung erst noch verifiziert werden müssen, was meistens über einen Unterschriftenabgleich geschieht. In vielen Staaten kann das schon vor dem eigentlichen Wahltag durchgeführt werden. Die Auszählung ist allerdings in der Regel erst nach Schließung der Wahllokale zugelassen. Manche Staaten akzeptieren zudem nachträglich eingegangene Briefwahlstimmen, solange sie einen Poststempel vom Wahltag haben, was die Auszählung weiter verzögern kann.

Donald Trump bei einer Wahlveranstaltung in Arizona.
Donald Trump bei einer Wahlveranstaltung in Arizona.

So ist es gut möglich, dass auch am Tag nach der Wahl noch kein eindeutiger Sieger feststeht oder sich das Ergebnis des Wahlabends im Laufe der Auszählung noch verändert. Ähnlich geschah es bei der Präsidentschaftswahl 2020.

Damals erklärten mehrere TV-Sender den demokratischen Kandidaten Al Gore auf Basis von Wahltagsbefragungen voreilig zum Sieger Floridas. Bei der Stimmauszählung lag dann jedoch Gores republikanischer Kontrahent George W. Bush vorne. Entsprechend mussten die Sender ihre Meldung revidieren und sprachen Florida stattdessen Bush zu – womit er über genug Wahlkollegsstimmen verfügte, um die Präsidentschaft zu gewinnen.

Weg zur Vereidigung

Donald Trump hat sich bisher nicht festgelegt, ob er das Wahlergebnis akzeptieren würde. Seine Attacken auf die Briefwahl deuten jedoch darauf hin, dass bei einem knappen Ergebnis nichts unversucht gelassen wird, doch noch zu gewinnen. Aus diesem Grund haben sich Demokraten und Republikaner bereits auf mögliche Auseinandersetzungen vor Gericht vorbereitet.

Auch hier hilft ein Blick auf die Wahl im Jahr 2000: Nachdem alle Wahlzettel ausgezählt waren, lag George W. Bush nur noch wenige hundert Stimmen vor Al Gore und wurde von Katherine Harris, die für die Wahlen in Florida verantwortlich war, zum offiziellen Sieger erklärt. Es folgte ein wochenlanger Rechtsstreit um mögliche Neuauszählungen, der bis vor den Supreme Court ging. Das oberste Gericht untersagte jedoch eine Neuauszählung und George W. Bush wurde US-Präsident.

Doch viel Zeit haben die Kandidaten nicht, denn bis spätestens zum 8. Dezember müssen alle Ergebnisse feststehen. Entsprechend müssen etwaige Neuauszählungen oder Rechtsstreitigkeiten bis zu diesem Datum beigelegt sein. Sollte keiner der Kandidaten mindestens 270 Stimmen erhalten haben, entscheidet der Kongress, wer der nächste US-Präsident wird. Das Repräsentantenhaus wählt den Präsidenten und der Senat den Vizepräsidenten.

Menü