Tim Ryan friert demokratische Senatsvorwahl in Ohio ein

Das Rennen um den Posten des scheidenden US-Senators Rob Portman aus Ohio nimmt gehörig an Fahrt auf – zumindest auf Seiten der Republikaner. Die Demokraten hingegen halten sich bisher bedeckt. Allen voran der favorisierte Kongressabgeordnete Tim Ryan, der mit seinem Schattenwahlkampf das gesamte Feld einfriert.

Tim Ryan im Gespräch mit Wähler:innen in Iowa 2019.
Tim Ryan im Gespräch mit Wähler:innen in Iowa 2019.

Die republikanische Senatsvorwahl in Ohio ist mehr als ein Jahr vor der eigentlichen Wahl bereits in vollem Gange. Neben der ehemaligen Parteichefin des Staates, Jane Timken, und Josh Mandel, dem ehemaligen Schatzmeister von Ohio, sind auch die beiden Unternehmer Mike Gibbons und Bernie Moreno ins Rennen eingestiegen. Das Feld könnte in den kommenden Wochen sogar noch weiter wachsen. So nähert sich der Venture Capitalist J. D. Vance zunehmend einer eigenen Kandidatur. Der Autor des Bestsellers „Hillbilly Elegy“ hat bereits die Unterstützung einer SuperPAC, die von Paypal Mitgründer Peter Thiel mit 10 Millionen US-Dollar finanziert wurde.

Völlig anders sieht es auf Seiten der Demokraten aus. Deren Vorwahlkampf ist momentan vor allem von Zurückhaltung geprägt. Und das hat hauptsächlich einen Grund: Tim Ryan. Der Kongressabgeordnete kokettiert seit Monaten mit einer möglichen Kandidatur, sammelt fleißig Unterstützung und Spenden, gibt aber weiter nicht bekannt, ob er ins Rennen einsteigen wird. Dabei ist Ohio einer der wenigen Staaten, mit denen die Demokraten im kommenden Jahr die Senatsmehrheit gewinnen könnten. Auch wenn der Staat in den vergangenen Jahren zunehmend zu den Republikanern geschwenkt ist, präsentiert Rob Portmans Rückzug aus der Politik für die Demokraten eine einmalige Gelegenheit, den Sitz in ihre Reihen zu holen.

Eigentlich hat Tim Ryan freie Bahn, denn Anfang April entschied sich Ohios Ex-Gesundheitsministerin Amy Acton gegen eine Senatskandidatur. Sie hätte Ryan wohl am gefährlichsten werden können. So lag sie nicht nur bei der ersten Vorwahlumfrage vor Ryan, sondern machte auch im direkten Aufeinandertreffen mit möglichen republikanischen Kandidat:innen eine bessere Figur. Zudem hatte ihr der 314 Action Fund, der Kandidat:innen mit wissenschaftlichem Hintergrund fördert, Unterstützung in Höhe von 5 Millionen US-Dollar für eine mögliche Kandidatur zugesagt.

Ryan wiederum hatte im ersten Quartal 2021 sein bestes Spendenergebnis überhaupt. So erhielt er seit Jahresbeginn Zuwendungen in Höhe von mehr als 1,2 Millionen US-Dollar. Als Ryan 2019 vergeblich für die Präsidentschaft kandidierte, verzeichnete er in den ersten drei Monaten seines Wahlkampfs 889.398 US-Dollar an Spenden. Um wettbewerbsfähig zu sein, wird Ryan aber noch wesentlich mehr Geld sammeln müssen. Bei der letzten Senatswahl in Ohio 2018 gaben der Demokrat Sherrod Brown und sein republikanischer Herausforderer zusammen mehr als 30 Millionen US-Dollar für ihren Wahlkampf aus.

Ursprünglich hatte die New York Times unter Berufung auf Quellen mit Kenntnis von Ryans Plänen berichtet, dass er seine Kandidatur Anfang März offiziell machen wolle. Rund acht Wochen später lässt eine endgültige Entscheidung weiter auf sich warten. Dabei ist der langjährige Kongressabgeordnete nicht nur finanziell gut aufgestellt. Auch erste Unterstützer haben sich bereits für den 47-Jährigen ausgesprochen. Darunter Ohios letzter demokratischer Gouverneur Ted Strickland und die ehemalige US-Außenministerin und demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

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Ryans Beziehung zu Clinton geht weit zurück: 2008 stellte er sich wenige Tage vor der wichtigen Präsidentschaftsvorwahl im Nachbarstaat Pennsylvania hinter Clinton. Sie gewann zwar noch die Wahl im Keystone State, musste sich aber letztendlich Barack Obama geschlagen geben. Bei der Präsidentschaftswahl 2016 gehörte Ryan zu den ersten Demokrat:innen, die Clinton zu einer Kandidatur aufforderten.

Tim Ryan bei einer Wahlkampfveranstaltung für Hillary Clintons Präsidentschaftskampagne 2016 in Ohio.
Tim Ryan bei einer Wahlkampfveranstaltung für Hillary Clintons Präsidentschaftskampagne 2016 in Ohio.

Auch von zahlreichen Gewerkschaften in seinem Heimatstaat erhielt er bereits deutliche Signale. So stellte sich unter anderem Ohios Feuerwehrgewerkschaft OAPFF sowie die SMART-Gewerkschaft mit ihren mehr als 200.000 Mitgliedern in Nordamerika hinter Ryan.

Mit seinem Schattenwahlkampf sorgt Ryan dafür, dass die demokratische Vorwahl in Ohio momentan noch ruhig bleibt. Mögliche weitere Kandidat:innen dürften Ryans Entscheidung aussitzen, um nicht in einen Wahlkampf hineingezogen zu werden, den sie nicht gewinnen können. Das trifft beispielsweise auf die Minderheitsführerin in Ohios Repräsentantenhaus, Emilia Sykes, sowie den Landrat Kevin Boyce zu. Beide erwägen eine eigene Kandidatur und wären bei einer erfolgreichen Wahl die ersten schwarzen US-Senator:innen des Staates.

Weitere mögliche Kandidat:innen sind der ehemalige demokratische Parteichef des Staates, David Pepper, und die ehemalige Abgeordnete im Repräsentantenhaus von Ohio, Kathleen Clyde. Beim Nominierungsparteitag der Demokratischen Partei 2020 war Cylde eine von 17 Keynote-Sprecher:innen, die die Zukunft der Partei repräsentieren sollten.

Bis auf Emilia Sykes haben alle drei möglichen Kandidat:innen bereits eine Ohio-weite Wahl bestritten – allerdings jeweils gegen ihre republikanischen Konkurrent:innen verloren.

Ein weiterer Grund für die mögliche Zurückhaltung auf Seiten der Demokraten dürfte die gleichzeitig stattfindende Gouverneurswahl sein. Sollte Ryan sich tatsächlich in den kommenden Wochen für ein Senatskandidatur entscheiden, dürften mehrere demokratische Kandidat:innen stattdessen ins Rennen um den Gouverneursposten gegen den republikanischen Amtsinhaber Mike DeWine einsteigen.

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