Demokraten demonstrieren Einigkeit bei New Yorker Bürgermeisterdebatte

Am Sonntag versammelten sich acht der aussichtsreichsten Kandidat:innen für den Bürgermeisterposten New York Citys und diskutierten die wichtigsten Wahlkampfthemen – natürlich socially distanced über Zoom. Dabei gab es viel Übereinstimmung aber auch die ersten Reibungen zwischen einzelnen Kandidat:innen.

Moderiert von Errol Louis (oben links) nahmen acht Kandidat:innen für den Bürgermeisterposten New York Citys an der Debatte teil.
Moderiert von Errol Louis (oben links) nahmen acht Kandidat:innen für den Bürgermeisterposten New York Citys an der Debatte teil.
Bild: Screenshot von The Matt Skidmore Show.

Die Debatte der Demokraten des Stadtbezirks Brooklyn begann konsequenterweise mit dem Thema Covid-19. Grundsätzlich waren sich die Anwesenden einig in ihrer Kritik an der Arbeit der Regierung – sowohl der Stadt, des Staates als auch des Bundes. Der aktuelle Bürgermeister Bill de Blasio habe gleichermaßen bei Tests wie auch bei Impfungen versagt. Zwar waren kaum Vorschläge zu hören, wie es besser gemacht werden könne. Allerdings muss den Kandidat:innen dabei zugute gehalten werden, dass sie bei einem Wahlsieg erst im Januar 2022 eingeschworen werden. Dann dürfte der Fokus eher auf dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wiederaufbau als auf der Bekämpfung des Virus liegen.

Wie so häufig bei parteiinternen Vorwahldebatten stimmten viele der Kandidat:innen bei den meisten Themen mit einander überein. Das war auch bei den Fragen zu den Themen Sicherheit und bezahlbarer Wohnraum erkennbar. Der allgemeine Tenor war, dass ein guter Mittelwert zwischen Sicherheit und Beteiligung der Bürger:innen gefunden werden müsse. Zudem herrschte Einigkeit darüber, dass städtische Wohnanlagen im Besitz der Stadt verbleiben und ausgebaut werden müssten.

Während aktuelle und ehemalige Regierungsmitglieder wie Shaun Donovan ihre Errungenschaften präsentierten, erklärten Quereinsteiger:innen wie Andrew Yang und Maya Wiley eher in groben Zügen – mal mehr mal weniger detailliert –, wie sie die Probleme der Stadt angehen würden. Loree Sutton, scherte bei dieser Einordnung jedoch ein wenig aus. Die frühere Leiterin des städtischen Veteranenamtes ordnete sich trotz ihrer Verwaltungserfahrung eher in der zweiten Gruppe ein und wurde selten konkret.

Insgesamt wirkten alle Kandidat:innen eher zurückhaltend. Das galt auch für vermeintliche Favoriten wie Andrew Yang, Eric Adams und Scott Stringer, die in den aktuellen Umfragen deutlich vorne liegen.

Die Gefahren negativen Wahlkampfs

Erst als in der zweiten Hälfte der Debatte das Format etwas aufgelockert wurde und die Teilnehmer:innen sich gegenseitig Fragen stellen durften, änderte sich der Ton. So nutze die Bürgerrechtsanwältin Maya Wiley ihre Chance, um den Mobbingskandal in Andrew Yangs Präsidentschaftskampagne anzusprechen. Yang konnte der eigentlichen Frage jedoch ausweichen, da Wiley sich auf Verschwiegenheitserklärungen fokussierte, die einige von Yangs Mitarbeitern unterschreiben mussten. Er hielt dagegen, dass diese nur für Angestellte mit Zugriff auf sensible Daten vorgesehen waren und bei seiner jetzigen Kampagne nicht verwendet würden. Yang beantwortete die Frage letztendlich souverän. Seine Erfahrungen aus den Vorwahldebatten der Präsidentschaftswahl 2020 waren deutlich erkennen.

Loree Sutton wiederum griff mit ihrer Frage Eric Adams an. Der Bezirkspräsident von Brooklyn hatte bei einer früheren Rede gesagt, Bürger:innen aus Iowa und Ohio sollen wieder in ihre Heimat zurückkehren. Sutton wollte wissen, ob Adams so auch als Bürgermeister zu den New Yorker:innen sprechen würde. Er nutzte die Gelegenheit jedoch, um die Probleme von Gentrifizierung und Zuzug wohlhabender Amerikaner:innen nach New York City hervorzuheben. Diese führten seiner Aussage zufolge dazu, dass alteingesessene Bewohner:innen aus den zunehmend beliebter werdenden Stadtteilen verdrängt würden.

Wileys und Suttons Attacken zeigen deutlich, wie schwierig und oft auch kontraproduktiv es sein kann, bei einer Vorwahldebatte einzelne Kandidat:innen anzugreifen – selbst wenn es auf die eigene Wählerschaft anspielt. So ein Angriff kommt selten unerwartet und wie das Beispiel von Adams zeigt, lässt sich die Antwort dazu nutzen, die eigene Position noch einmal zu verdeutlichen.

Das neue Rangwahlsystem, das bei der Bürgermeisterwahl in New York City erstmals zur Anwendung kommt, macht ein solches Vorgehen noch einmal problematischer. Um die Vorwahl im Juni zu gewinnen, sind die Kandidat:innen darauf angewiesen, für möglichst viele Wähler:innen die zweite, dritte oder auch vierte Wahl zu sein. Die Unterstützer:innen einzelner Kandidat:innen durch negativen Wahlkampf zu verprellen könnte sie entsprechend den Wahlsieg kosten.

Die vollständige Debatte anschauen:

Menü