New York City: Andrew Yang kandidiert als Bürgermeister mit Kampagnenauftakt in Harlem

Andrew Yang will Bürgermeister von New York City werden. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat plant ambitionierte Reformen und steht in den Umfragen schon jetzt ganz oben – ohne Erfahrungen in der Kommunalpolitik zu haben.

Andrew Yang bewirbt sich um das Amt des Bürgermeisters von New York City.
Andrew Yang bewirbt sich um das Amt des Bürgermeisters von New York City.

Grundeinkommen, Sicherheit ohne Angst und eine bezahlbare Stadt: Andrew Yang bewirbt sich als Reformkandidat um den Posten des Bürgermeisters von New York City. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat und Unternehmer will die von Covid-19 stark gebeutelte Millionenmetropole mit „mutigen, innovativen Lösungen“ wieder aufbauen. Dabei gibt sich Yang als politischer Außenseiter, der nicht Teil der politischen Maschinerie New Yorks ist.

Seinen Wahlkampf eröffnete Yang in Harlem und erhielt dort die Unterstützung von Ritchie Torres, einem Kongressabgeordneten aus der Bronx. Neben Torres konnte er mit Martin Luther King III im Vorfeld bereits einen prominenten Fürsprecher als Co-Vorsitzenden seiner Kampagne gewinnen. King ist der älteste Sohn des Bürgerrechtlers Martin Luther King, Jr. Diese ersten Schritte seiner Kampagne deuten darauf hin, dass der Sohn taiwanesischer Einwanderer einen besonderen Fokus auf die schwarze und Latino-Bevölkerung New Yorks legt. Die beiden Gruppen machen zusammen 53,4 Prozent der Einwohner New York Citys aus.

Kampagne für ein besseres New York

Mit seinem vorläufigen Wahlprogramm richtet sich Yang vor allem an Menschen und Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen, die von der Pandemie besonders stark betroffen sind – insbesondere Minderheiten. Die Arbeitslosenquote in New York City lag im November 2020 bei 12,1 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Yangs Vorhaben wirken äußerst ambitioniert – insbesondere für einen Kandidaten, der bisher keine Erfahrung in der Politik der Stadt gesammelt hat. So will er die Polizei von New York City reformieren, damit Sicherheit und das Vertrauen der New Yorker in Polizei und Strafrechtssystem Hand in Hand gehen. Zudem plant Yang die Lebenshaltungskosten durch Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums in der Stadt zu senken. Genauere Informationen zu diesen Vorhaben sollen in den kommenden Wochen folgen. Dann wird sich zeigen, wie erfolgversprechend seine Ideen wirklich sind.

Natürlich darf in einem Yang-Wahlprogramm auch ein Verweis auf sein Herzensprojekt, das bedingungslose Grundeinkommen, nicht fehlen. Zur Bekämpfung extremer Armut will Yang den bedürftigsten Bewohner:innen der Stadt einen monatlichen Grundbetrag auszahlen. Auch wenn dieses Pilotprojekt alles andere als bedingungslos ist, sollen etwa 500.000 der ärmsten New Yorker:innen Zahlungen in Höhe von durchschnittlich 2.000 US-Dollar pro Jahr erhalten.

Zwar ist diese Summe weit entfernt von den monatlich 1.000 US-Dollar, die Yang mit seiner im Präsidentschaftswahlkampf vorgeschlagenen „Freedom Dividend“ ausschütten wollte. Allerdings zielt Yang mit dem Programm, dessen Umfang seiner Aussage nach durch zusätzliche Finanzierung stetig zunehmen könnte, darauf ab, extremer Armut in New York City ein Ende zu setzen. Darüber hinaus könnte dieses Projekt schon alleine aufgrund der 500.000 Empfänger:innen zum Wegweiser für ähnliche Vorhaben werden.

Außenseiter gegen New Yorker Establishment

Andrew Yang brachte es mit seiner Kandidatur für die Präsidentschaft bei der Vorwahl der Demokraten im vergangenen Jahr weiter als so manch etablierter Name. So gelang es ihm, zahlreiche Unterstützer:innen zu gewinnen und mehrere Millionen US-Dollar an Spenden zu sammeln. Im zweiten Halbjahr 2019 erhielt er mehr als 25 Millionen US-Dollar und damit deutlich mehr finanziellen Zuspruch als der Großteil des restlichen Feldes – darunter auch Amy Klobuchar, die bei der Vorwahl in New Hampshire Platz drei erreichte. Nur Bernie Sanders, Joe Biden, Pete Buttigieg und Elizabeth Warren erhielten in diesem Zeitraum insgesamt mehr Spenden.

„Yang Gang“: Yangs Unterstützer:innen werden auch bei der Bürgermeisterwahl eine entscheidende Rolle spielen.
„Yang Gang“: Yangs Unterstützer:innen werden auch bei der Bürgermeisterwahl eine entscheidende Rolle spielen.

Zudem schaffte er es, das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens zu einem auf nationaler Ebene diskutierten Thema zu machen. Einen wichtigen Beitrag zu Yangs Erfolg leisteten auch seine Unterstützer:innen. Die so genannte „Yang Gang“ warb vor Ort in den ersten Vorwahlstaaten sowie im Internet für ihn und seine Politik. Um bei der Bürgermeisterwahl gegen den Organisationsvorsprung seiner Konkurrenten wie des Bezirkspräsidenten von Brooklyn, Eric Adams, bestehen zu können, ist Yang auf den Enthusiasmus seiner Anhänger:innen angewiesen.

Späte Kandidatur in einem offenen Rennen

Während sich die meisten seiner Konkurrent:innen bereits seit mehreren Monaten im Wahlkampf befinden, tritt Andrew Yang erst fünf Monate vor der Vorwahl der Demokraten, die am 22. Juni stattfindet, ins Rennen ein. In den vergangenen Wochen war er damit beschäftigt, den Stichwahlkampf der demokratischen Senatskandidaten Raphael Warnock und Jon Ossoff in Georgia zu unterstützen und in Washington D.C. für eine weitere Direktzahlung in Höhe von 2.000 US-Dollar an die amerikanische Bevölkerung zu werben.

Trotzdem liegt Yang in den ersten Umfragen knapp vor Eric Adams auf dem ersten Platz. Dabei dürfte ihm insbesondere seine allgemeine Bekanntheit durch die Präsidentschaftskandidatur helfen. Allerdings erlaubte sich Yang, der seit mehr als 25 Jahren in New York City lebt, auch schon mehrere Ausrutscher.

So lebte Yang mit seiner Familie einen Großteil der Zeit seit Beginn der Pandemie in einem Haus außerhalb der Stadt. In einem Interview mit der New York Times begründete er das Verhalten damit, dass es in ihrer Zweizimmerwohnung in Manhattan schwierig sei zu arbeiten, während ihre Kinder am Fernunterricht teilnehmen – ein Zustand, der für Millionen New Yorker:innen unausweichliche Realität ist. Zudem deckte City & State NY auf, dass Yang in keiner der vergangenen vier Bürgermeisterwahlen seine Stimme abgegeben hat. Ob ihm diese Patzer schaden werden, dürfte sich in den kommenden Wochen herausstellen.

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