Ein Town Hall Meeting in Iowa.
Ein Town Hall Meeting in Iowa.

Welche Kandidaten überstehen die Vorwahl in Iowa?

Vorwahlen

In Iowa können Präsidenten gemacht und Träume begraben werden: Wer im ersten Vorwahlstaat nicht gut abschneidet, gibt entweder auf oder braucht einen Plan B. Auch dieses Jahr liegt wieder große Aufmerksamkeit auf Iowa und dem Ergebnis der demokratischen Vorwahl. Aber wer kann diese Wahl überstehen? Wir haben alle verbliebenen Kandidaten und ihre Chancen beleuchtet.

Michael Bennet

Gibt wahrscheinlich auf

Für Michael Bennet wird es am Dienstag nach der Vorwahl in Iowa eine sehr schwierige Entscheidung. Die Umfragen zeigen schon jetzt, das Michael Bennet sich im Bereich von einem Prozentpunkt bewegt. Dadurch kann er eigentlich nur gewinnen. Sollte er etwa 5 Prozent der Stimmen in Iowa erhalten, hat er die geringen Erwartungen mehr als übertroffen. Da er sich ohnehin auf den zweiten Vorwahlstaat New Hampshire konzentriert hat, könnte er trotz eines eher niedrigen Ergebnisses noch mindestens eine Woche im Rennen bleiben und das Ergebnis New Hampshire abwarten. Falls er in Iowa jedoch eine Wahlergebnis einfährt, dass nah an den letzten Umfragen dran ist, könnte er seine Kampagne noch am selben Abend beenden.

Bennets Kampagne geht nämlich auch langsam das Geld aus. Im Verlauf des Jahres hat er immer weniger Spenden erhalten und verfügte zum Jahresende nur noch über knapp 500.000 US-Dollar – weit weniger als alle seine Konkurrenten. Ein Ergebnis von etwa einem Prozent der Stimmen in Iowa könnte ihn dazu zwingen, seine Kampagne vorzeitig einzustellen. Weitere Spendeneinnahmen wären bei so einem Wahlausgang eher unwahrscheinlich.

Bernie Sanders

Bleibt im Rennen

Für Bernie Sanders stehen aktuell alle Zeichen auf Sieg. Aber selbst, wenn er wie schon 2016 wieder knapp verlieren sollte, wird Sanders im Rennen bleiben. Zum Jahresende hatte er noch mehr als 18 Millionen US-Dollar zur Verfügung und hat bereits in späteren Vorwahlstaaten umfassende Wahlkampfstrukturen aufgebaut. Für Sanders könnte der einzige Grund für ein Ausscheiden sein, dass er unter die 15-Prozenthürde fällt und damit keine Delegierten gewinnen würde. Solch ein Ausgang scheint angesichts der aktuellen Umfragen aber mehr als unwahrscheinlich.

Pete Buttigieg

Bleibt wahrscheinlich im Rennen

Iowa ist für Pete Buttigieg von großer Bedeutung. Eines seiner Argumente war, dass er als Ex-Bürgermeister aus Indiana die Wähler im Mittleren Westen für sich gewinnen kann. Damit sollte er Trump im November schlagen, denn dieser gewann 2016 insbesondere aufgrund von Siegen in Staaten wie Michigan und Ohio. Wenn Buttigieg jetzt in Iowa schlechter abschneidet als erwartet, würde das seiner Kampagne einen herben Dämpfer verpassen.

Zwar hatte Buttigieg zum Jahresende noch knapp 15 Millionen US-Dollar zur Verfügung und könnte somit weitermachen. Allerdings könnten ihm dafür bei einem schlechten Ergebnis der nötige Rückenwind fehlen. Insbesondere wenn die ebenfalls moderate Kandidatin Amy Klobuchar besser als Buttigieg abschneidet, könnte es für ihn eng werden. Dann dürfte es Buttigieg nämlich schwer haben, zu erklären, warum er Klobuchar vorzuziehen ist.

Elizabeth Warren

Bleibt wahrscheinlich im Rennen

Elizabeth Warren hat ein ähnliches Problem wie Pete Buttigieg. Die linke Demokratin ist in den Umfragen gefährlich nah an der 15-Prozenthürde. Sollte sie in Iowa daran scheitern und Bernie Sanders die Wahl gewinnen, könnte der Druck aus dem linken Lager auf sie wachsen, das Rennen zu verlassen und Sanders zu unterstützen. Warren hat zudem einen großen Fokus auf Iowa gesetzt. Ihre Strategie vor Ort war sehr kosten- und mitarbeiterintensiv. Falls ihr Plan nun nicht aufgeht, hat sie wertvolle Ressourcen verschwendet, die sie besser in den späteren Staaten hätte einsetzen können.

Joe Biden

Bleibt im Rennen

Auch für Joe Biden steht in Iowa viel auf dem Spiel. Er hat viel Zeit im ersten Vorwahlstaat verbracht, schwächelte allerdings zuletzt in den Umfragen. Seine Umfragewerte in den späteren Staaten sind allerdings so gut, dass er auch bei einer Niederlage in Iowa seinen Wahlkampf nicht beenden wird. Sollte Biden allerdings nur auf den dritten oder vierten Platz kommen und auch einer seiner beiden moderaten Konkurrenten Pete Buttigieg oder Amy Klobuchar an ihm vorbeiziehen, könnte er in finanzielle Schwierigkeiten geraten. In solch einem Fall könnten Bidens bisherige Spender auf einen neuen Kandidaten umsatteln.

Amy Klobuchar

Gibt bei schlechtem Ergebnis auf

In den letzten Wochen hat Amy Klobuchar stark an Unterstützung zugelegt. Auch wenn sie an der 15-Prozenthürde scheitert, dürfte für sie die Wahl noch nicht beendet sein. Insbesondere wenn Joe Biden und Pete Buttigieg schwächer abschneiden als erwartet, könnte das für Klobuchar die Chance sein, sich bei den späteren Vorwahlen als Alternative zu präsentieren. Sollte sie allerdings weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, und weniger als 10 Prozent der Stimmen bekommen, wird sie sich nicht viel länger halten können.

Andrew Yang, Tulsi Gabbard und Deval Patrick

Bleiben im Rennen

Für Yang und Gabbard ist Iowa eher ein Warmlaufen für den eigentlichen Wettlauf, denn beide haben ihren Fokus auf die Wahl in New Hampshire eine Woche später gelegt. Somit kann ihnen ein gutes Abschneiden in Iowa helfen, aber eine Niederlage kaum schaden. Yang hatte zum Jahresende noch 3,7 Millionen und Gabbard 2,7 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Damit sollten sie in der Lage sein, sich selbst bei einem sehr schlechten Ergebnis bis New Hampshire zu halten. Das gilt auch für Deval Patrick, obwohl er einen wesentlich niedrigeren Bargeldstand hat.

Tom Steyer und Michael Bloomberg

Bleiben im Rennen

Für beide Kandidaten ist die Vorwahl ein Marathon, den sie bis zum Ende laufen wollen. Beide haben schon jeweils mehr als 200 Millionen US-Dollar in ihre eigenen Wahlkämpfe investiert und werden sich von schlechten Ergebnissen in den ersten Vorwahlstaaten nicht abschrecken lassen. Schließlich ist keiner von ihnen auf Rückenwind durch ein gutes Ergebnis und damit verbundene Spenden angewiesen.

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